Es ist einfach, auf Social-Media-Plattformen wie TikTok Beiträge zu kommentieren, zu teilen, zu liken und sich endlos ablenken zu lassen. Weitaus weniger leicht ist es, die möglichen Sicherheits- und Datenschutzrisiken zu verstehen. Bevor Sie mal wieder ein Video mit einer tanzenden Katze hochladen, sollten Sie unseren ausführlichen Leitfaden zu TikTok lesen. Welche Daten sammelt die App über Sie, und warum sind viele Regierungen deswegen so besorgt? Außerdem empfehlen wir Ihnen, Ihre Geräte, Daten und Privatsphäre mit Avira Free Security abzusichern.
Überblick über die Geschichte von TikTok: Von Datenschutzskandalen und bemerkenswerten Erfolgen
Singen, Tanzen, Comedy, Lip-Syncing … TikTok bietet eine Fülle von Videos, die hauptsächlich von jungen Menschen erstellt und geteilt werden. Die Social-Media-Plattform wurde 2017 ins Leben gerufen und gehört inzwischen zu den wachstumsstärksten Apps weltweit. Viele chinesische Plattformen scheitern außerhalb ihres Heimatmarktes – nicht so TikTok. Als das Unternehmen im November 2017 für 1 Milliarde US-Dollar Musical.ly übernahm, wuchs seine Datenbank um 80 Millionen (überwiegend US-amerikanische) Benutzer. Und dann ging auf einmal alles ganz schnell. Im Jahr 2023 knackte TikTok die Marke von 4 Milliarden Downloads, und dieser beeindruckende Trend setzt sich weiter fort. Stand 2024 verzeichnet TikTok 2,05 Milliarden registrierte Benutzer weltweit. Allerdings wird der Erfolg weiterhin von Datenschutz- und Sicherheitsbedenken überschattet, die nicht nur das Image des Unternehmens gefährden, sondern auch dessen Geschäftsbetrieb in wichtigen Märkten. In einigen Ländern wird die App als eine Bedrohung für die nationale Sicherheit betrachtet. Zudem wird TikTok immer wieder vorgeworfen, die App würde Daten und Minderjährige nicht ausreichend schützen. Berüchtigt ist sie auch als Nährboden für Betrugsmaschen – von Fake-Gewinnspielen bis hin zu Romance Scams. Wie sicher ist sie also, und welche Beschränkungen gelten derzeit? Gibt es Grund zur Sorge? Schauen wir uns das genauer an.
Zahlreiche Regierungen und Behörden haben Maßnahmen gegen die App ergriffen: In manchen Ländern ist sie vollständig verboten, in anderen ist ihre Funktionalität eingeschränkt. Dafür werden verschiedene Gründe angeführt. Hier finden Sie Informationen zur TikTok-Zensur nach Land: In Iran ist sie zum Beispiel aufgrund der TikTok-Richtlinien und der iranischen Zensur derzeit gesperrt. Pakistan hält am Verbot der App fest, da deren Inhalte offenbar im Widerspruch zu den gesellschaftlichen Werten des Landes stehen. In Afrika können Bürger Somalias und des Senegals TikTok in ihrem Heimatland nicht nutzen. Immer mehr Regierungen – darunter die Europäische Union, Kanada und Neuseeland – untersagen die Nutzung der App auf behördlichen Geräten. In den USA ist TikTok mittlerweile auf Diensthandys von Mitgliedern der Bundesregierung und der Regierungen von 30 Bundesstaaten verboten. Strengere Einschränkungen für Privatpersonen in den USA könnten bevorstehen, was wichtige Fragen dazu aufwirft, wie man die Redefreiheit mit Pflichten im Zusammenhang mit Sicherheit und Datenschutz in Einklang bringen kann – ganz zu schweigen von den praktischen Auswirkungen einer Einschränkung der Macht sozialer Medien.
Könnte TikTok in den USA verboten werden, und was würde das bedeuten?
Im April unterzeichnete Präsident Joe Biden ein Gesetz, das TikTok in den USA verbieten würde, wenn das übergeordnete chinesische Unternehmen ByteDance seinen Anteil nicht innerhalb eines Jahres verkauft. Die Verkaufsfrist liegt damit im Jahr 2025. TikTok-CEO Shou Zi Chew veröffentlichte eine Antwort auf der Plattform und deutete sogar rechtliche Schritte an, wobei er beklagte, dass das Gesetz „Ihnen und 170 Millionen Amerikanern, die auf unserer Plattform ein Gefühl von Gemeinschaft und Verbundenheit finden, TikTok wegnehmen wird. Man muss das Kind beim Namen nennen: Dies ist Zensur – eine TikTok-Zensur und ein Einschnitt in Ihre Meinungsfreiheit. Aber seien Sie versichert – wir verlassen Sie nicht. Wir sind zuversichtlich und werden vor Gericht für Ihre Rechte kämpfen.“ Viele US-amerikanische Content-Ersteller und Benutzer haben das mögliche Verbot kritisiert mit dem Hinweis, dass es ihre Existenzgrundlage gefährden könnte.
Im Mai 2024 reichte TikTok eine Klage beim US-Berufungsgericht in Washington, D.C. ein und argumentierte, dass das Gesetz verfassungswidrig sei, da es die Redefreiheit einschränke. In der Klage wird außerdem die unrechtmäßige Aneignung von Privateigentum beanstandet. Auch mehrere US-Bundesstaaten haben rechtliche Schritte eingeleitet. So reichte Indiana (erfolglos) Klage gegen TikTok ein, wobei sich die Verantwortlichen darauf beriefen, dass die App den Benutzern unangemessene Inhalte anzeige und durch ihre Datenerfassungspraktiken gegen Verbraucherschutzgesetze verstoße. Eine weitere Klage kam aus Arkansas: Der Bundesstaat verklagte TikTok, ByteDance und das übergeordnete Unternehmen von Facebook, Meta, wegen Verstößen gegen den Deceptive Trade Practices Act (Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb). Montana geht sogar noch weiter und versucht, TikTok auf Privatgeräten zu verbieten. Sollte das Verbot erfolgreich sein, kann die App in dem Bundesstaat nicht mehr betrieben werden, und App Stores, die TikTok innerhalb seiner Grenzen anbieten, müssten mit Bußgeldern von bis zu 10.000 US-Dollar pro Tag rechnen. Ein US-Richter hat das TikTok-Verbot gestoppt, da es gegen das Recht auf freie Meinungsäußerung verstößt, aber der Staat hat inzwischen Berufung eingelegt. Auch mehrere Universitäten haben die App in ihren Netzwerken verboten.
Was würde passieren, wenn das Verbot tatsächlich in Kraft tritt – und wie könnte es durchgesetzt werden? Die App wird wahrscheinlich nicht von den Smartphones der Benutzer verschwinden, aber sie würde nicht mehr in den App Stores von Apple und Google auftauchen – sprich sie könnte nicht mehr heruntergeladen werden. TikTok könnte keine Updates, Sicherheits-Patches und Fehlerkorrekturen mehr bereitstellen, und mit der Zeit würde die App weniger sicher und weniger stabil werden. Eine weitere Option wäre es, dem Beispiel Indiens zu folgen, wo die Regierung einfach angeordnet hatte, dass Internet- und Telekommunikationsanbieter die App sperren müssen.
Wie sicher ist TikTok – und ist es für Kinder geeignet?
Angesichts all der angeführten Bedenken sollten wir uns die App genauer ansehen. Wie sicher ist sie wirklich für „normale“ Benutzer wie Sie oder mich – vorausgesetzt, wir sind keine Beamten im Staatsdienst. Und werden Maßnahmen ergriffen, um Jugendliche vor unangemessenen Inhalten zu schützen? TikTok gilt grundsätzlich als genauso sicher wie jede andere Social-Media-Plattfirm, da es zahlreiche Sicherheits- und Schutzfunktionen bietet. Diese haben wir unten zusammengefasst. Falls Sie die Zeit dazu haben, lesen Sie bitte auch die TikTok-Nutzungsbedingungen.
- Die Zwei-Faktor-Authentifizierung (2FA), bei der zusätzlich zum Passwort eine weitere Verifizierungsmethode für die Anmeldung erforderlich ist, kann die Gefahr von Hackerangriffen auf Ihre Online-Konten reduzieren.
- Benutzer müssen mindestens 13 Jahre alt sein, um sich zu registrieren, und Personen zwischen 13 und 15 Jahren können standardmäßig nur private Konten erstellen. Personen im Alter von 16 und 17 Jahren müssen zwischen privaten und öffentlichen Konten wählen.
- Für Benutzer unter 18 Jahren ist ein automatisches Zeitlimit von einer Stunde voreingestellt.
- Downloads von Videos von Benutzern im Alter von 13 bis 15 Jahren sind deaktiviert – diese Einstellung kann nicht geändert werden. Andere Personen können also keine Videos herunterladen, die von Minderjährigen gepostet wurden.
- Direktnachrichten sind für Benutzer zwischen 13 und 15 Jahren nicht verfügbar.
- Für Benutzer unter 13 Jahren werden Inhalte kuratiert und sind ausschließlich in der „Nur-Anzeige“-Version verfügbar: Kinder können also keine eigenen Inhalte erstellen. Mit dem „Kommentarfürsorgemodus“ können unangemessene, anstößige und von anderen Benutzern gemeldete Kommentare herausgefiltert werden.
- Nur Benutzer ab 18 Jahren können Transaktionen mit virtuellen Geschenken vornehmen.
- Der eingeschränkte Modus auf TikTok hilft dabei, den Zugriff auf möglicherweise unangemessene oder komplexe Inhalte zu begrenzen. Diese Funktion schränkt außerdem den „Following“-Feed, LIVE-Streaming und das Übergeben von Geschenken im LIVE-Modus ein.
TikTok führte zudem 2020 den Begleiteten Modus ein, der es Eltern und Erziehungsberechtigten ermöglicht, die Sicherheitseinstellungen individuell anzupassen. Sie können ihr TikTok-Konto mit dem Konto des Kinds verknüpfen und Kindersicherungsfunktionen wie Bildschirmlimits für alle Geräte des Kinds einrichten. Außerdem können sie einen Passcode festlegen, mit dem sie das Zeitlimit verlängern können, wenn sie dies wünschen. Eltern bzw. Erziehungsberechtigte erhalten außerdem eine Übersicht über die gesamte Zeit, die ihr Kind täglich über einen Zeitraum von vier Wochen auf TikTok verbracht hat, und können sehen, wie oft die App pro Tag geöffnet wurde. Sie können auch einschränken, wer Nachrichten an das verknüpfte Konto senden darf, oder Direktnachrichten vollständig deaktivieren.
Weitere Informationen zu den Tools und Kontrollfunktionen, die TikTok zum besseren Schutz seiner jungen Community anbietet, finden Sie im TikTok-Leitfaden für Erziehungsberechtigte. Man sollte bedenken, dass TikTok trotz dieser Maßnahmen vor ähnlichen Herausforderungen steht wie andere soziale Netzwerke. Denn oft schaden sich Kinder durch ihr eigenes Verhalten. Es lässt sich nicht zuverlässig verhindern, dass Kinder ein falsches Alter angeben oder sich ohne Zustimmung ihrer Eltern registrieren. Diese „Erwachsenen“-Profile werden automatisch auf öffentlich gestellt, wodurch Fremde den minderjährigen Kontoinhabern private Nachrichten senden oder deren Inhalte herunterladen können. Und vergessen wir nicht, welche Inhalte auf TikTok vorrangig sind: Musik und Videos, teilweise in vulgärer Sprache sowie Kleidung oder Handlungen, die für jüngere Zuschauer nicht geeignet sind. Letztendlich liegt es in der Verantwortung der Eltern zu wissen und ein Auge darauf zu haben, was ihre Kinder online tun. Wenn Sie die Nutzung digitaler Medien durch Ihr Kind steuern und beaufsichtigen möchten, empfehlen wir Ihnen unseren Blog-Beitrag über Apps zum Kinderschutz.
Aber denken Sie daran: Selbst eine ’sicherere‘ Nutzung von Social-Media-Plattformen wie TikTok kann der psychischen Gesundheit von Kindern schaden. Die britische Kinderschutzorganisation Children’s Society beschreibt die größten Probleme im Zusammenhang mit der Plattform – von süchtig machendem Scrollverhalten und unrealistischen Körperdarstellungen bis hin zu Cybermobbing und einer Zunahme von Stress sowie Angst- und Schlafstörungen. Wir alle profitieren von einer gelegentlichen digitalen Auszeit.
Welche Datenschutzprobleme gibt es im Zusammenhang mit TikTok?
„Welche Daten sammelt TikTok von mir – und warum?“ gehört zu den drängendsten Sicherheitsbedenken, die in Bezug auf TikTok die Runde machen. Die Plattform sammelt tatsächlich eine erhebliche Menge an Informationen über ihre Benutzer, um den Inhaltsempfehlungsalgorithmus zu optimieren. Das tun allerdings auch andere soziale Medien wie Facebook. Ein vollständiges und korrektes Benutzerprofil ist für jede Social-Media-Plattform wichtig, um den Benutzern ein relevantes und personalisiertes Erlebnis sowie eine auf ihre Interessen zugeschnittene Werbung bieten zu können. Die Datenerfassung trägt auch zur Verbesserung der App-Funktionen bei.
Was weiß TikTok über Sie?
Fairerweise muss man sagen: TikTok unterscheidet sich im Hinblick auf die Menge der gesammelten Informationen nicht von anderen Plattformen und handelt dabei im Einklang mit gängigen Social-Media-Praktiken. Sie sollten sich bewusst sein, dass Sie dort folgende Daten preisgeben:
- Kontoinformationen und persönliche Daten: Dies umfasst Informationen wie Ihren Namen, Ihren Benutzernamen, Ihr Profilbild, Ihre E-Mail-Adresse, Ihre Telefonnummer und Ihre Passwörter.
- Verhaltensdaten: Cookies folgen Ihren Spuren quer durch das Internet, um Einblicke in Ihre Interessen und Aktivitäten zu gewinnen. TikTok hält zum Beispiel fest, welche Videos Sie sich ansehen, wie lange Sie jeweils zuschauen und welche Clips Sie speichern.
- Vom Benutzer erstellte Inhalte: TikTok protokolliert jeden Beitrag, jedes Video und jeden Kommentar, den Sie erstellen, posten oder mit dem Sie interagieren. Der App-Anbieter sieht auch den gesamten Inhalt aller Nachrichten, die Sie über die App versenden, da diese nicht verschlüsselt werden.
- Gerätedaten und -standort: Erfasst werden Ihr Länderstandort, Ihre Internetadresse und die Art des von Ihnen verwendeten Geräts. TikTok kann Ihr Gerät anhand des Betriebssystems und des Mobilfunkanbieters von anderen unterscheiden und ermittelt Ihren Standort anhand der IP-Adresse und der GPS-Daten des Geräts.
Um die Datenschutzbedenken der US-Regierung zu zerstreuen, verpflichtete sich TikTok im Jahr 2023, die Daten von US-Benutzern ausschließlich in den USA bei amerikanischen Unternehmen mit lokalem Personal zu speichern. Derzeit heißt es auf der TikTok-Webseite zur Datensicherheit in den USA: „Neue geschützte US-Benutzerdaten werden standardmäßig in den Oracle Cloud- und USDS-Infrastrukturen mit kontrollierten und überwachten Gateways gespeichert. Nach Löschung der Backup-Daten … haben nur autorisierte Mitarbeiter des United States Digital Service (USDS) Zugriff auf geschützte US-Benutzerdaten …“ (Status: Juli 2024).
Falls Sie sich für TikToks Datenerfassungsprotokolle und deren mögliche Auswirkungen auf Sie interessieren, finden Sie die vollständige Fassung in der Datenschutzrichtlinie von TikTok.
An wen gibt TikTok die Daten weiter?
TikTok gibt Daten für geschäftliche und regulatorische Zwecke an zahlreiche Dritte weiter. Dazu gehören Werbetreibende und Marketing-Fachleute, denen diese Daten bereitgestellt werden, um zielgerichtete Werbung zu erstellen und die Aktivitäten und Interessen der Benutzer besser zu verstehen. Behörden und Polizei können bei TikTok Benutzerdaten anfordern, um Ermittlungen zu unterstützen oder staatlichen Auflagen nachzukommen. Und falls Sie sich für die Option entscheiden, sich mit einer Drittanbieter-App wie Facebook oder Twitter bei TikTok anzumelden, sollten Sie bedenken, dass Sie dabei Ihre Privatsphäre gegen Komfort eintauschen. Besser ist es, für TikTok einen eigenen Login einzurichten, da die App andernfalls problemlos Ihre Daten und Aktivitäten von allen verknüpften Websites erfassen kann.
Sind TikTok-Nachrichten privat?
Was die Direktnachrichten-Funktion von TikTok betrifft, sollten Sie beachten, dass die Nachrichten nicht verschlüsselt sind und die App nicht nur Metainformationen, sondern auch deren Inhalte sammelt. Unverschlüsselte Nachrichten können vom Anbieter und von Dritten gelesen werden. TikToks Datenschutzrichtlinie ist transparent in Bezug auf die Art der erhobenen und verarbeiteten Informationen: Erfasst werden demnach der Inhalt der Nachricht sowie Informationen darüber, wann sie versandt, empfangen und/oder gelesen wurde, sowie die Kommunikationsteilnehmer.
Zum jetzigen Zeitpunkt sind keine Pläne für die Einführung einer Ende-zu-Ende-Verschlüsselung bekannt – einer entscheidenden Funktion zum Schutz der privaten Kommunikation. Über Messaging-Apps ohne Ende-zu-Ende-Verschlüsselung sollten Sie grundsätzlich keine Inhalte preisgeben, die Sie nicht auch öffentlich bekanntgeben würden. Das Unternehmen beschränkte Ende 2019 nach zahlreichen Diskussionen über die Sicherheit von Kindern auf der Plattform die Direktnachrichten auf Benutzer über 16 Jahre.
Greift TikTok auf Kamera und Mikrofon Ihres Geräts zu?
Ja, aber bevor Sie sich den Lippenstift nachziehen oder Ihre Kamera mit einem Pflaster abdecken, sollten Sie wissen: Die Kamera und das Mikrofon werden nur dann aktiviert, wenn ein Benutzer TikTok die Erlaubnis für den Zugriff darauf erteilt hat. Ansonsten verspricht die App, keinerlei Informationen aus diesen Quellen zu sammeln. Außerdem greift die TikTok-App, nachdem sie geschlossen wurde, nicht mehr auf Kamera und Mikrofon zu. Sie filmt oder belauscht Sie also nicht.
Zeichnet TikTok Tastatureingaben auf?
Laut der TikTok Truths-Serie zu den Datenschutz- und Datensicherheitspraktiken der App erfasst diese tatsächlich Tastatureingaben „für sicherheits- und leistungsbezogene Zwecke – zum Beispiel zur Überprüfung der Authentizität eines Kontos“. Diese Überwachung beschränkt sich jedoch nicht nur auf Ihre Aktivitäten auf TikTok. Einige Cybersicherheitsexperten warnen davor, dass der In-App-Browser von TikTok möglicherweise auch Aktivitäten auf anderen Websites aufzeichnet, die über den Browser aufgerufen werden. Dazu wird ein Code in die jeweilige Website eingefügt. Theoretisch könnten vertrauliche Informationen wie Ihre Kreditkartendaten auf diese Weise abgefangen werden. TikTok wies dies in einer offiziellen Stellungnahme zurück und erklärte, dass Tastatureingaben oder Texteingaben durch diesen Code „ausschließlich zur Fehlersuche, Fehlerbehebung und Leistungsüberwachung verwendet werden“. Benutzer können also nicht sicher sein, welche Daten im Detail gespeichert werden und aus welchem Grund dies geschieht.
So stärken Sie Ihre Privatsphäre auf TikTok
Alle TikTok-Konten von Erwachsenen sind standardmäßig öffentlich, allerdings können Sie in den Datenschutzeinstellungen Ihr Konto privat schalten. (Rufen Sie Ihr Profil auf, tippen Sie auf die drei Punkte (…) und dann auf Datenschutz. Aktivieren Sie Privates Konto.) Ihre Profilinformationen sind jedoch auch weiterhin öffentlich einsehbar, sodass jeder Benutzer Ihren Benutzernamen, Ihre Bio und Ihr Profilbild sehen kann.
Selbst bei einem privaten Konto kann Ihr Konto anderen Benutzern empfohlen werden – insbesondere, wenn Sie gemeinsame Freunde haben. Um dies zu ändern, passen Sie die Option Andere Personen können nach deinem Konto suchen entsprechend an. Sie können auch Download zulassen deaktivieren, sodass man Ihre Videos nicht herunterladen kann. Wenn Sie ein Video vollständig privat oder nur für Freunde zugänglich machen möchten, können Sie dies über die Funktion Wer kann dieses Video sehen? tun. Dies stärkt den Schutz Ihrer Daten vor anderen TikTok-Benutzern, jedoch nicht vor dem Unternehmen selbst. Wenn Ihnen Ihre Privatsphäre sehr wichtig ist, sollten Sie sich mit einer temporären E-Mail-Adresse und einem VPN anmelden, um Ihren Standort zu verbergen. Falls Sie online wirklich derart anonym sein wollen, ist eine Social-Media-App möglicherweise ohnehin nicht das, wonach Sie suchen.
Wenn Sie eher zu den „Anschauen, aber nicht Anfassen“-Typen gehören, können Sie TikTok auch als Gast ohne Konto nutzen. So können Sie sich Videos ansehen, ohne eigene zu posten oder mit Beiträgen zu interagieren. Sie können auch die Verfolgung Ihrer Online-Aktivitäten eindämmen, indem Sie die personalisierten Werbeeinstellungen bei TikTok deaktivieren. Möchten Sie wissen, was TikTok über Sie weiß? Finden Sie es heraus: Und zwar indem Sie Ihre Daten von TikTok anfordern.
Welche (technische) Sicherheitsbedenken gibt es in Bezug auf TikTok?
Nun, da Sie mit den Bedenken bezüglich der Datenerfassung und des Datenschutzes bei TikTok vertraut sind, wollen wir uns einen weiteren Kritikpunkt ansehen: die Sicherheit der Plattform – bzw. Sicherheitslücken gegenüber Online-Angriffen. Ursprünglich setzte TikTok unverschlüsseltes HTTP zur Übertragung von Medieninhalten von den Content Delivery Networks (CDNs) des Unternehmens ein. HTTP-Verbindungen stellen teilweise schwerwiegende Datenschutzrisiken dar. Inzwischen wurden sie durch sichere HTTPS-Verbindungen ersetzt, werden aber aus Gründen der Abwärtskompatibilität weiterhin unterstützt.
Wie leicht sich HTTP-Sicherheitslücken ausnutzen lassen, wurde von Entwicklern von Mysk.co während der Corona-Pandemie demonstriert. Sie konnten mithilfe eines gefälschten Servers ein Video im Feed der Weltgesundheitsorganisation auf TikTok durch ein gefälschtes ersetzen. Dies zeigt, wie einfach es ist, Fehlinformationen zu verbreiten. TikTok handelte umgehend und schloss die Sicherheitslücken. Doch anderen Betrugsmaschen bietet die Website noch immer einen fruchtbaren Nährboden. Diese haben wir im Folgenden für Sie zusammengefasst.
Betrug auf TikTok
Wo sich Millionen von Benutzern tummeln, dahin zieht es auch Betrüger wie Motten ans Licht – und bei TikTok ist es nicht anders. Insofern könnte man sagen, die Plattform ist Opfer des eigenen Erfolgs geworden. Hier sind einige typische Betrugsmaschen, auf die Sie achten sollten. Denken Sie daran: Trauen Sie niemandem.
Fake-Profile von Prominenten: Profile voller gestohlener Inhalte sprießen im Internet wie Unkraut. Sie locken arglose Fans an – etwa um sie dazu zu verleiten, für eine gefakte Wohltätigkeitsaktion zu spenden, die der „Star“ bewirbt.
Fake-Unternehmenskonten: Betrüger geben sich als große Unternehmen wie Apple, Walmart oder Amazon aus, um beispielsweise Links zu „kostenlosen Gewinnspielen“ zu posten, die darauf abzielen, persönliche Daten abzugreifen.
Gefälschte TikTok-Follower-Generatoren: Betrüger nutzen geschickt den Wunsch der Benutzer nach mehr TikTok-Followern aus, indem sie über Direktnachrichten, Kommentare oder Bot-Konten gefälschte Follower-Generatoren bewerben. Wenn Sie sich registrieren, riskieren Sie die Preisgabe Ihrer TikTok-Anmeldedaten.
Spendenbetrug: Bei dieser Masche nutzen Betrüger während Krisen wie Pandemien und Naturkatastrophen das Vertrauen der Benutzer aus, um sich Geldspenden zu erschleichen. Recherchieren Sie daher jede Organisation, bevor Sie spenden, und halten Sie nach verifizierten Informationen Ausschau.
Investment Scams: Hierbei behaupten die Betrüger, dass sie einen kleinen Betrag in eine größere Summe verwandeln können, wenn Sie ihnen Ihr Geld überlassen. Achtung! Wenn Sie Ihr Geld aus der Hand geben, ist es unwiederbringlich verloren – egal ob es sich um Bargeld oder Kryptowährung handelt.
Romance Scams: „Du bist wunderschön“ mag schmeichelhaft klingen, aber in Wirklichkeit hat der gut aussehende Fremde, der Ihnen den Hof macht, es nur auf Ihre persönlichen Daten und Ihr Geld abgesehen. Das nennt man Catfishing. Gehen Sie nicht darauf ein!
Fake-Gewinnspiele und -Preisausschreiben: Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass Sie weder einen Urlaub in einer toskanischen Villa noch eine Million Euro gewonnen haben. Klicken Sie niemals auf unbekannte Links, und geben Sie keine persönlichen Daten preis. Online-Betrüger haben es in der Regel darauf abgesehen, Ihre Identität, Ihr Geld oder beides zu stehlen.
Betrügerische Stellenangebote: Stellenangebote, die zu gut klingen, um wahr zu sein, sind es meistens auch. Ignorieren Sie sie. Gehen Sie stattdessen auf seriösen Stellenbörsen auf Jobsuche.
Cybersicherheitstipps für TikTok
Die Grundregeln sicheren Online-Verhaltens gelten überall im Internet. Geben Sie niemals persönliche Daten wie Ihre Privatadresse preis. Sie können sich nicht sicher sein, wer darauf Zugriff hat oder mit wem Sie tatsächlich kommunizieren, wenn Sie diese Informationen direkt teilen. Klicken Sie nicht auf Links und öffnen Sie keine dubiosen Anhänge. Wenn Sie Kinder haben, beaufsichtigen Sie deren digitale Gewohnheiten und klären Sie sie über die Gefahren der Online-Nutzung und Methoden zum Selbstschutz auf. Hier erfahren Sie, wie Sie Ihre Kinder im Internet schützen können.
Es ist außerdem ratsam, nicht mehr genutzte Konten zu löschen, aktive Konten – wenn möglich – auf „privat“ zu stellen und niemals dieselben Passwörter für mehrere Konten zu verwenden. Avira Password Manager hilft Ihnen dabei, sichere und einzigartige Passwörter für all Ihre Online-Konten zu erstellen, zu speichern und zu verwalten.
Umfassende Cybersicherheit gehört zum Basisschutz gegen TikTok-Scams und andere Betrugsversuche sowie veraltete Software und unbekannte Online-Bedrohungen. Avira Free Security enthält bewährte Anti-Malware-Technologie, einen Passwort-Manager, einen Software Updater und weitere Funktionen.
TikTok ist eine eingetragene Marke von TikTok Ltd.
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